UA-80184977-1
Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen:

Rendsburger Regenbogengruppe

Telefon:  0151/57550743

Freitags zwischen 18 und 20 Uhr oder AB

E-Mail:

regenbogengruppe-rd@web.de

 

außerdem findet Ihr uns auf Facebook unter die.rendsburger.regenbogengruppe

oder am 2. Donnerstag im Monat von 20 - 22 Uhr im Familienzentrum A4, Ahlmannstraße 4

24768 Rendsburg

 

Wichtiger Hinweis:

Wir versuchen wenn möglich Links zu hinterlegen. So könnt ihr euch bei Bedarf weitere Infos besorgen.

 

Besucher seid dem 28.04.2017 www.gratis-besucherzaehler.de

TDB
Stellt euch vor…
…ihr seid in einem Ballsaal
und könnt nicht tanzen,
weil das Orchester sich ständig verspielt.

1.
Deine Haut fühlt sich weicher an als sonst. Bis zum Kinn reichen dir die Locken mittlerweile, sie sind licht und dünn, aber deine. Du ziehst dir Nylonstrümpfe über die Beine, eigentlich magst du Nylonstrümpfe nicht, eigentlich magst du deine Beine nicht, gerade heute willst du sie aber zeigen, eigentlich willst du viel weniger zeigen müssen, eigentlich willst du viel weniger müssen, aber vielleicht glaubst du dir sonst selbst nicht mehr, wenn du dich im Spiegel siehst. Deine Bekannte hat einen Kurzhaarschnitt, ihr glauben alle auch so. Deine Bekannte sieht Fenster, und du siehst nur Spiegel. Ein junger Mann hat dir zugelächelt, du hast den Blick gesenkt, und deine Bekannte verstand das nicht. Sie versteht nicht, dass du deine Stimme nicht magst, sie versteht nicht, warum du so unbequeme Kleidung trägst, was es heißt, wenn man sein Leben lang Kleidung trägt, die einem nicht passt, und sie nicht ausziehen kann, aber das verstehst du ja manchmal selbst nicht. Du hast es deiner Bekannten nie erzählt -  sie würde es eh nicht verstehen. Es haben schon andere nicht verstanden, es sind schon junge Männer wütend geworden deswegen. Doch heute trägst du Nylon, eine bessere, weichere Haut als sonst, und wirst es ihnen zeigen. Noch immer ist dieser Körper unbequem, heute ist er zumindest wieder deiner. Der junge Mann am Schalter senkt seinen Blick, liest Worte, die du nie wieder hören willst, und sagt: „So, Sie wollen also Ihren Namen ändern, Herr -“

2.
„- zlichen Glückwunsch, es ist ein kerngesundes Mädchen – und so hübsch, bestimmt wird sie die Herzen aller Jungen brechen – stell dir vor, unsere Kleine hat ihm fast den Arm gebrochen, weil der gesagt hat, dass Mädchen nicht mitspielen dürfen, ein echter Wild – Fang nur nicht wieder damit an, warum willst du denn keine langen Haare haben, du bist doch ein – Mädchen, du könntest so hübsch sein, mach doch den Rücken – Gerade hat mich deine Lehrerin angerufen, sie sagt, du willst vom Schwimmunterricht frei - e Entfaltung hin oder her, so geht das nicht weiter – e Nebenwirkungen der Hormontherapie sind; ist dir das überhaupt klar, du bist doch viel zu jung – e, stell dir vor, sie will jetzt auf einmal ein Junge sein, vielleicht ist sie ja les – Bestimmt habe ich etwas falsch gemacht. Was sollen deine Großeltern denken, werde ich jetzt niemals Enkelkinder haben, ich mach mir doch nur Sorgen.“

„Bist du jetzt eigentlich operiert, also, da unten?
Hä, und auf welches Klo gehst du?
Wie heißt du denn richtig?
Was denn, ich bin bloß neugierig, das war doch ‘ne ganz normale Frage.
Ich kenn auch eine, die lesbisch ist, soll ich euch mal vorstellen?
Also hast du mittlerweile einen -
Aber dann bist du doch gar kein richtiger -“

3.
Stellt euch vor…

…ihr seid in einem Ballsaal
und könnt nicht tanzen,
weil das Orchester sich ständig verspielt.

Stellt euch vor, ihr seid die einzigen, die das merken, stellt euch vor, ihr erzählt das den anderen, und die sagen: „Ihr müsst euch die Ohren operieren lassen.“
Stellt euch vor, ihr könnt wegen des Lärms nicht schlafen.

Schließt jetzt die Augen.

Stellt euch vor…

…ihr lebt in einer Welt, in der es zwei Kategorien von Mensch gibt, nur zwei, stellt euch vor, ihr werdet vor eurer Geburt schon in eine davon gepresst, stellt euch vor, ihr habt ein Problem damit, und man sagt euch, ihr seid das Problem.

Stellt euch vor, man fragt euch, ob ihr Junge oder Mädchen seid, und ihr denkt nur:
„Ja.“
Oder:
„Nein.“
Oder: „Warum?“, und man bleibt euch die Antwort schuldig.

Stellt euch vor, ihr seid „im falschen Körper geboren“, stellt euch vor, man bringt euch bei, dass es richtige und falsche Körper gibt, stellt euch vor, man bringt euch bei, „ihr selbst zu sein“, aber ihr könnt einfach nicht, weil man euch sagt, dass ihr das falsch macht, weil man euch nicht glaubt, weil man euch fragt, warum ihr euch auf einmal verkleidet.

Stellt euch vor, euer Spiegel lügt euch an, stellt euch vor, ihr fühlt euch von eurem Namen einfach nicht gemeint, stellt euch vor, ihr wart sechzehn, und dieser Name, der euch nicht meint, steht auf eurem Grabstein.

Öffnet die Augen. Ihr müsst euch diese Welt nicht vorstellen.
Tags: transgender identität dysphorie geschlechterrollen prosa
 

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?