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Rendsburger Regenbogengruppe

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Mit freundlicher Genehmigung von Probst Krüger der Abdruck seiner Predigt im Gottesdienst am 21.05. in der St. Jürgen Kirche.

1
Predigt zum Tag gegen Homophobie am 21. Mai 2017-05-21
„Zur Freiheit hat uns Christus berufen“ Galater 5,1.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Ich bin hetero,
und das ist auch gut so.
Ein Zitat,
liebe Regenbogengemeinde,
liebe Schwestern und Brüder,
ein Zitat,
ein bisschen abgewandelt, gleichsam mir zu eigen gemacht.
Es ist ein mittlerweile historisches Zitat.
2001, Landesparteitag der SPD.
Klaus Wowereit war der Spitzenkandidat.
Später sollte er Regierender Bürgermeister von Berlin werden.
Im Vorfeld der Wahlen waren „Gerüchte“ aufgekommen.
Die Erpressung durch den politischen Gegner stand zu befürchten.
Und Wowereit wischte mit einem einzigen Satz alle Drohkulissen beiseite:
Ich bin schwul, und das ist auch gut so.
Das war der wichtigste Satz seines Leben,
schrieb er später.
Gleichsam ein Bekenntnis.
Ein Schritt in die Freiheit.
Heraus aus der Angst.
Hinein in die Zukunft.
Zur Freiheit hat Christus uns befreit.
So ist dieser Gottesdienst überschrieben, liebe Gemeinde.
Ein Satz aus dem Galaterbrief des Apostels Paulus.
Zur Freiheit hat Christus uns befreit.
Die Frage damals war:
Gilt das jüdische Gesetz auch für Menschen nicht-jüdischer Herkunft,
also für Heidenchristen?
Müssen Menschen erst Juden werden, um dann Christinnen werden zu können?
Müssen die Männer sich auch als Christen beschneiden lassen?
Und die Antwort des Judenchristen Paulus ist klar und eindeutig:
Nein.
2
Zur Freiheit hat Christus euch befreit.
Lasst euch nicht wieder unterjochen.
Nehmt die Gnade Gottes ernst.
Und versucht nicht schon wieder, euer Heil und Leben selbst gewinnen zu wollen.
Diese Gnade Gottes ist Mensch geworden.
Jesus Christus.
Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens.
Mit ihm steht und fällt alles.
Wer war dieser Jesus, liebe Gemeinde?
Jesus war Single und Looser,
Gutmensch und Radikaler,
Menschenfischer und Kreuzträger.
Das ist alles interessant.
Entscheidend aber ist das Bekenntnis des Petrus:
Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Und dieser Gott, liebe Gemeinde,
dieser Gott ist immer schon ein Gott der Freiheit.
Die größte Freiheitsgeschichte des Alten Testaments ist die Geschichte vom Exodus,
die Befreiung des Volkes Gottes aus Ägypten.
Heraus aus Knechtschaft und Sklaverei,
heraus aus Unterdrückung und Zwangsarbeit.
Mose führt das Volk heraus.
Und Gott selbst geht voran.
Von dieser Befreiungstat lebt die jüdische Religion.
Sie durchzieht das Alte Testament wie ein roter Faden.
Das erste Gebot lautet entsprechend:
Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat,
du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Es ist der Gott, liebe Gemeinde,
der seine Menschen nicht fröhlich in die Welt wirft und sagt:
Nun seht mal zu, ich guck mir das in aller Ruhe von oben an.
Nein, es ist der Gott, der uns, der mir und dir,
homo oder hetero,
schwul oder lesbisch,
bi oder trans,
der mir und dir und allen nachgeht, In Liebe und in Freiheit.
3
Und der sich dann eben die Freiheit genommen hat,
in Christus ein letztgültiges Zeichen zu setzen.
Das Kreuz auf Golgatha. Die Auferstehung zu Ostern. Neues Leben in der Freiheit eines Christenmenschen.
Das ist natürlich immer leichter gesagt, als getan.
Menschen haben Angst.
Das ist gleichsam ein Existenzial.
Angst gehört zum Menschsein dazu.
Der Trumpeter aus Washington hat Angst und will am liebsten eine Mauer bauen.
Vor lauter Twittern kommt er nicht dazu.
Majestix, der Häuptling der Gallier, hat Angst, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte.
Und überhaupt:
Wehe, ein Mensch ist anders.
Hilfe!
Das stellt ja nicht ihn in Frage.
Das stellt mich in Frage.
Das fragt nach meiner Identität.
Das fragt nach meinem Platz im Leben, in der Gesellschaft, in der Kirche, in der Gemeinde.
Und das kann dann auch schon mal Angst machen.
Ängste sind allüberall und an der Tagesordnung, insbesondere in diesen Zeiten:
Angst vor dem Untergang des christlichen Abendlandes.
Angst vor Burkaträgerinnen.
Angst vor Überfremdung in unberührten Landstrichen Deutschlands.
Es ist schon erstaunlich.
Offensichtlich notleidende Menschen suchen bei uns Asyl.
Und sie reichen aus, um bleierne Angst auszubreiten.
Und auch im Wahlkampf gilt: Angst geht immer. Das ist böse, aber wahr.
Zu viele Menschen, die nach unten gucken, auf die anderen herab, statt in die Augen,
oder auch fröhlich in den Himmel.
Und richtig spannend wird es dann,
wenn Menschen Angst vor der Ängstlichkeit der anderen haben.
Solch vielerlei Formen der Angst sind allgegenwärtig, liebe Gemeinde,
und inmitten dieser Gemengelage sind die Menschen auf der Suche nach ihrer Identität,
nach ihrem Platz im Leben, nach ihrer sexuellen Orientierung, nach ihrer Geschlechtsidentität,
und jede, die anders ist, kann mich in Frage stellen.
Dabei geht es doch nicht um die Form der Beziehung, sondern um den Inhalt.
4
Es geht nicht primär darum, das aus dem 19. Jahrhundert stammende Familienbild einfach zu tradieren.
Vater, Mutter, Kind,
Zweizimmerwohnungen in den Industriestädten.
Für Großeltern war kein Platz mehr.
Die Hälfte der Hamburger lebt in Singlehaushalten.
Es geht nicht um bloße Tradition,
es geht um Liebe, Vertrauen und Verlässlichkeit,
es geht darum,
dem Menschen gerecht zu werden,
im 21. Jahrhundert,
in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche.
Wie schwer wir Menschen uns damit tun, ist deutlich.
Solange es noch Tage und Wochen gegen Homophobie braucht,
lässt sich Friede nur erahnen,
leben wir in Hoffnung auf ein gutes Miteinander,
aber es bleibt viel zu tun.
Auch die Kirche hat Schuld auf sich geladen,
hat Menschen verachtet und missachtet und diskriminiert.
Gut, dass unsere Landessynode im Herbst letzten Jahres beschlossen hat:
Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare findet in einem öffentlichen Gottesdienst statt.
Sie wird, genauso wie die Trauung, ins Kirchenbuch eingetragen.
Das klingt banal, ist aber ein wichtiger Schritt.
Liebe Schwestern und Brüder,
Identitäten und Lebensformen sind immer dem Wandel unterworfen.
Allein in der Bibel begegnen uns mannigfache Konstellationen.
Jesus war Single,
und Abraham, der Stammvater Israels hatte Sarah und Hagar zur Frau,
späterhin Ketura und diverse Nebenfrauen.
Ganz klassisch.
Ganz patriarchal.
Ganz zeitgeschichtlich.
Kulturen und Gesellschaften haben je immer ganz eigene Lebensformen ausgebildet.
Dies gilt es, immer wieder neu zu diskutieren, zu hinterfragen, fortzuführen.
Es ist eine Aufgabe der Gesellschaft.
Und da sind wir als Christenmenschen mittendrin.
Unser Ausgangspunkt ist allerdings ein anderer:
Zur Freiheit hat Christus uns befreit.
5
Das ist die Basis.
Diese Freiheit und Liebe Gottes hat Paulus erfahren.
Das ist die Botschaft der Taufe.
Neuschöpfung des Menschen.
Und von dieser Erfahrung her kann Paulus sagen:
Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid,
habt Christus angezogen.
Hier ist nicht Jude noch Grieche,
hier ist nicht Sklave noch Freier,
hier ist nicht Mann noch Frau;
denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.
In Welt und Gesellschaft haben alle diese Dinge ihre Bedeutung.
Wir brauchen Unterscheidungen, um uns orientieren zu können.
Aber Geschlechtlichkeit, Volkszugehörigkeit und sozialer Status sind in unserer Beziehung zu Christus nicht entscheidend.
In Christus verlieren sie ihren all zu oft ausgrenzenden Charakter.
In dieser neuen Wirklichkeit,
in dieser getauften Wirklichkeit kommt es nicht auf sexuelle Veranlagungen an.
Es gilt vielmehr, sie verantwortungsvoll zu leben.
In Freiheit. Dem Liebesgebot Jesu entsprechend.
Menschen sind auf der Suche.
Und wir dürfen glauben, liebe Gemeinde,
dass Gott uns immer schon gefunden hat,
dass er uns nachgeht,
dass er weiß, wie es um uns steht.
Herr, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es.
Du verstehst meine Gedanken von Ferne.
So heißt es im Psalm 139.
Liebe Schwestern und Brüder,
als christliche Kirche haben wir keine Botschaft
des Hasses,
der Ausgrenzung,
des Niedermachens,
des Mobbings,
der Gewalt.
Das ist die Sache der Ängstlichen.
Leider.
6
Und wir gehen dagegen an.
Und wir setzen ein Zeichen,
nicht unser Zeichen,
sondern die Botschaft von der Freiheit Christi.
Sie ist Geschenk und Gabe und Aufgabe.
Eine gute Basis,
um Liebe und Lust und Leidenschaft und Leben zu gestalten.
Gabe und Aufgabe,
Freiheit und Verantwortung,
sie gehen miteinander einher.
Unser Reformator Martin Luther sagt es so:
Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.
Christliche Freiheit kann so auch zur Gelassenheit führen.
Und die ist keine schlechte Ratgeberin in aufgeregten Zeiten.
Rendsburg, liebe Gemeinde,
Rendsburg ist nicht Berlin,
vielleicht aber doch auch arm,
auf alle Fälle sexy.
Und unsere Aufgabe ist es,
genau hier, genau da, wo wir leben
von der Liebe Gottes weiter zu sagen,
in Wort und Tat, mit Blick auf den Gekreuzigten.
Der ließ sich festnageln auf das, was er geglaubt hat.
Der trägt noch heute unsere Angst und unseren Kleinglauben.
Damit ich frei werde.
Damit ich Mensch sein kann und nicht immer Gott spielen muss.
Damit ich gelassen werde im Umgang mit Menschen, die anders sind als ich.
Damit wir gemeinsam Kirche und Gesellschaft und Leben gestalten können.
Zur Freiheit hat Christus uns befreit.
Und das ist auch gut so. Amen.
Matthias Krüger
Propst

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